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Entwickler verdienen falsch

22.03.2015 – Ob sie Software, Gebrauchsgegenstände, Investitionsgüter, Immobilien oder Dienstleistungen entwickeln - die Elite der Wissensarbeiter in deutschen Büros heißen Entwickler. In allen etablierten Branchen erzielen sie mit das beste Einkommen unter den Angestellten. Mit ihrer Führung entwickeln sich Ideen zu konkreten Produkten. Doch rechtfertigt das auch die hohen Gehälter, die wir als Investition in Markteinführungen einbringen? Oder ist das unternehmerische Wetten als neues Einkommensmodell nicht die bessere - weil zielführendere - Strategie? Mein Beitrag zur Blogparade "Produkt & Projekt".

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

am 22. April startete Franziska Köppe zu einer Blogparade rund um die Gemengelage Projekt-Produkt. Sie greift darin das Thema des diesjährigen PM Camps in Stuttgart auf. Letztes Jahr lud man mich dort zum Impulsvortrag ein und ich genoss die ebenso offene wie konstruktive Unkonferenz sehr.

Auch heuer wollte ich gerne für die Zusammenkunft der Projektmenschen werben, doch das Motto lies mich lange Zeit kalt. Erst in einem kürzlich geführten Gespräch zu den finanziellen Aspekten von Gehältern in Produktentwicklung und Markteinführung bzw. Marktbearbeitung entstand die Idee zu diesem Artikel. Es freut mich, sie nun in die Blogparade von Franziska einzubringen.

Wann ist das Produkt ein Projekt?

Neben verschiedenen anderen Blickwinkeln, ganz bestimmt dann, wenn und solange wir etwas Neues entwickeln. Das gilt für fassbare Objekte, wie beispielsweise ein Fahrrad oder ein Auto. Gleichermaßen stimmt es bei virtuell / sozialen Leistungen, etwa einer Software bzw. einer Beratungsdienstleistung. Bis unser Baby seine Serienreife erreicht, ist es ein Projekt.

In meinem Gespräch fiel auf, dass besonders die Entwicklungskosten riskant hoch sind. Eigentlich ging es darin darum, wie Wetten Planung ersetzt. Doch das ist, ganz im tolkienschen Verständnis, eine andere Geschichte. Der Aspekt dieses Artikels dreht sich um eine – nüchtern betrachtet – riesige, tagtäglich weltweit begangene betriebswirtschaftliche Dummheit:

Entwicklungsingenieure verdienen falsch!

Die Crème de la Crème der Büroarbeitnehmer heißen Entwickler. Unabhängig ob Software, Gebrauchsgegenstände, hochwertige Investitionsgüter, Häuser oder Dienstleistungen. In allen etablierten Branchen erzielen sie mit das beste Einkommen unter den Angestellten. Womit rechtfertigt man das?

Naja, sie können sich die Dinge vorstellen, bevor es sie gibt. Und mehr noch, sie machen ihre Gedanken zur Wirklichkeit. Klingt toll, fast ergreifend. Wirtschaftlich kühl betrachtet kosten Produktentwickler ein Heidengeld ohne die geringste Garantie, dass bei den Manifestationen etwas gewinnbringend Verkäufliches herauskommt. Bitte richtig verstehen. Wir müssen entwickeln und Geld dafür ausgeben!

Was das alles kostet …

Ich arbeite lange Jahre in Forschungs- & Entwicklungsprojekten der Automobilindustrie. Obschon die Inhalte der Projekte geheim sind, ist bekannt: Ein neues Auto hervorzubringen, schlägt mit 700 bis 1000 Millionen Euro zu Buche. Ein deutlich zweistelliger Prozentanteil davon steckt in den Gehältern der Konstrukteure und Designer. Dabei ist bis zum Verkaufsstart völlig unklar, ob man all diese Ausgaben jemals reinholt.

Populäre Beispiele für Fehlschläge kennen wir aus den 80ern – Porsche 914 / 928, den 90ern – S-Klasse, Velsatis und den 0-er Jahren des neuen Jahrtausends – R-Klasse. Der Betriebswirt in mir stellt ganz im Ernst fest: Wir dürfen das Einkommen der Entwickler nicht vom wirtschaftlichen Erfolg ihrer Kreationen entkoppeln!

Projekt und Produkt

Auf die Gefahr hin, liebe Leserin, lieber Leser, Deine Vorstellungskraft grenzwertig herauszufordern: Solange ein Produkt noch in seiner Projektierung steckt, sollten die Entwickler nur das absolut notwendige Grundeinkommen verdienen.

Sobald sich zeigt, dass unser Produkt in der Linienorganisation für ansprechende Profite sorgt, wirkt es positiv auf den Geldbeutel der Entwickler. Ab diesem Zeitpunkt gerne überproportional im Vergleich zu den anderen Mitarbeitern. Allerdings erst jetzt und keinen Moment früher.

Erwartungen …

Durch eine Umstellung des Einkommenszusammenhangs sollten sich folgende Effekte einstellen:

  • unwirtschaftliche Entwicklungen stoppen frühzeitig.
  • Entwickler sparen vorausschauend, um das eigene Einkommen zu maximieren.
  • günstigere Innovationen / Weiterentwicklungen.
  • Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Customer Support reden miteinander.
  • die Kunden und ihre Interessen werden frühzeitig im Entwicklungsprozess integriert.

Vielleicht fallen Euch ja noch mehr positive Effekte ein? Gerne könnt Ihr meine These in den sozialen Kanälen auch kritisch diskutieren!

Wir wollen denken!
Gebhard


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