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(Wie) kommt Industrie 4.0?

22.09.2015 – Ist Industrie 4.0 unumgänglich? Während meiner Auseinandersetzung zu Lebens- und Arbeitswelten mit Zukunft stolperte ich über eine Blogparade /1: Industrie 4.0: Chancen, Risiken, Ideen und Umsetzung - was hat Deuschland zu bieten? Unterschwellig verstand ich, dass wir um Industrie 4.0, die automatisierte Vernetzung von Maschine zu Maschine, KI, Reduktion repetitiver menschlicher Arbeit etc. nicht herumkommen. Da drängte eine Frage in mein Hirn: Rennen wir dem Hype hinterher oder nutzen wir die Gelegenheit, auch unsere Kultur anzupassen?

Liebe Leserinnen und Leser,
in den letzten zwei Wochen konfrontierte mich gleich zweimal die Zahl 4.0 – vier Punkt null. Davor stand entweder Arbeit oder Industrie. Darunter verstehen sollen wir die Summe der Vorstellungen, wie es in 10, 20, 30 Jahren aussieht. Das alles auf Basis dessen, was wir heute wissen. Gilt die Zukunft weiterhin als unvorhersehbar, macht es doch außerordentliche Freude, sie immer neu zu erfinden. Also hier meine Gedanken zur Blogparade.

Was verändert sich durch die digitale Transformation in und für Unternehmen?

Einige befürchten: »Sie überwachen uns dann noch genauer.« Andere hoffen: »Wir steigern den Automatisierungsgrad, die Effizienz und damit unsere Gewinne.« – manche ängstigt das. Wieder andere behaupten: »Der technologische Fortschritt transformiert uns, egal ob wir wollen oder nicht!« Sie ergänzen häufig: »Wer hier zu spät einsteigt, ist schon verloren.«
Ein Teil meines Geldes verdiene ich mit Kulturentwicklungen, die Firmen helfen, ihre gekauften »2.0« Technologien menschlich aufzufangen. Zu selten verstehen die Organisierenden, dass ein neues Werkzeug oft auch ein verändertes miteinander Umgehen in vielerlei Hinsicht verlangt. Anbieter innovativer Tools kümmert das kaum. Sie zeigen den Ahnungslosen auf gebogenen 3D-Flatscreens die neue Welt in bunten Farben, unterlegt mit fettem Sound: »Technisch alles machbar!«
Die digitale Transformation malt Unternehmern eine idyllische Autobahn zu den neuen Dekaden uferloser Gewinne mit blühend einfacher Wirtschaftlichkeit. Die Mahnungen vom tristen Alltag des damit einhergehenden kulturellen Entwicklungszwangs überhören unsere Manager ob solcher Aussichten all zu gerne.

Wie gehen wir mit dieser Angst vor Veränderung um?

Anstatt zu sehr auf die Technik zu vertrauen, sollte man auf die Möglichkeiten im Umgang vorbereitet sein. Kaum entdeckten Firmen neue Wege des Marketings in den sozialen Medien, schon überrollte sie ihr erster Shit-Storm. Die Tech-Nerds eilen den Normalos voraus. Von Letzteren gibt es auch in Zukunft mehr als von den Erstgenannten. Das stellt besonders die Unternehmer vor die Herausforderung, zumindest einen Teil der langsameren mitzunehmen. Neben der Technologie brauchen sie Meister der persönlichen Beziehung. Keine Manipulatoren sondern besonnen richtungsweisende Ratgeber. Anstatt von Managern schreit die Arbeit bereits heute nach zwischenmenschlich und wirtschaftlich kompetenten Mitnehmern. Die Ideen einer Industrie 4.0 macht Arbeitswelten erneut um ein Vielfaches vernetzter. Sie werden ebenso komplexer wie unsicherer.
Damit diese Kommunikation zwischen Arbeiten und Technik funktionieren kann, benötigen beide eine vergleichbare Komplexität. Während die technologische exponentiell ansteigt, antworten wir sozial darauf nach wie vor mit formierten Hierarchien und eingefassten Angestellten. Die heutigen Chefs leben in der Vorstellung, sie beherrschen auch zukünftig die Systeme. Ohne Katastrophen gelingt das nur, wenn wir die Mitarbeiter von der Leine der Weisungshierarchie befreien und ihnen zugleich die notwendige Verantwortung im Umgang mit der gewonnen Freiheit abverlangen.
Einige Firmen, die ich kenne, gaben den Beschäftigten bereits das Recht eigenständiger Entscheidungen. Diese nutzen es geschwind, um die persönlichen Urlaubswünsche zu erfüllen, ihre Kommens- und Gehenszeiten zu eigenen Gunsten zu optimieren und die KollegInnen im Regen stehen zu lassen. Mit solchen Reaktionen erklärt man den Versuch kurzerhand für gescheitert. Zurück zum Klassiker der Führung: »Es braucht eben doch eine starke Hand!«
Ganz wenige wagen es, weiter zu gehen. Sie machen klar, was ein so eigennützigesVerhalten für die Firma bedeutet. Sie erwarteten von den Menschen, sich zukünftig sinnvoller zu benehmen. Sie bieten Aussprache, Verständnis und Verbesserungsvorschläge an, um ohne Führungskraft erfolgreich mit der Situation umzugehen. Mit anderen Worten. Sie entwickelten ihre Kultur.

Erfolge – gerade auch menschlich soziale – sind in dem Maße wahrscheinlicher, wie es uns gelingt, unsere Haltung und Lebensart mitzuentwickeln. Lassen wir diese Notwendigkeit weiterhin links liegen, steigt das Risiko, nach dem uns mit der Industrie 4.0 der ganze Laden noch lauter um die Ohren fliegt.

Wir wollen denken!
Gebhard

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