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Warum gewinnt klassisches Business?

08.10.2015 – Seit Jahrzehnten singen die Tastaturen der Managementgurus die Ode auf die neue Wirtschaft. Empathie ist die Grundlage. Ihr Maß ist der Mensch. Das kollaborative Miteinander die Königsdisziplin. Zugegeben, ich stimme nur zu gerne in den Chor mit ein. Da sucht die Frage ihr Recht: »Wenn das alles stimmt, warum wühlen wir uns immer noch durch den Hierarchiedreck mit Burn-Bore-Out?« In der Kombi aus VW und Mausfeld drängte sich mir eine streitbare Idee dazu auf ...

Liebe Leserin, lieber Leser,
Winterkorn ist unwissentlich überrascht zurückgetreten. Mein VW Polo verbraucht fast das Doppelte der Werksangabe. Regierungen fordern eine rückhaltlose Aufklärung. Umwelt- wie Finanzministerien bereiten Milliardenklagen vor und die Börse crasched. Das alles wegen eines lang bekannten Geheimnisses: Die Automobilbauer schummeln bei ihren Abgasangaben. Sarkastisches Lachen scheint angebracht! Doch vorsicht, erst zu Ende lesen, sonst bleibt es Dir vielleicht im Halse stecken.

Niemand ist so naiv …

Zu glauben, die Überraschten wussten nichts davon. Selbst dir kleinem Würstchen war die Information bereits über den Weg gelaufen. Die Wirklichkeit und der Normzyklus, an dem wir die Abgaswerte sowie Verbräuche von Fahrzeugen festmachen, gehören nur dem Namen nach zusammen. Autos aller Marken erkennen seit Jahren, wann die ASU ihren Rüssel in den Auspuff steckt. Dann schnell die Motorleistung mit dem Steuergerät modelliert, schon stimmen Sein und Schein überein. Weshalb es gerade jetzt den VW-Konzern Kopf und Kragen kostet, passt zu meiner These: Wir wollen, dass Psychopaten uns führen!

Skrupellosigkeit gewinnt

In der Diskussion zum Vortrag »Warum die Lämmer schweigen /1« erklärt der Psychologe Rainer Mausfeld ab Minute 31:20, wie es um die Wirtschaft bestellt ist: »Je höher Sie in den Führungsetagen hoch gehen, umso stärker häufen sich nach allen klinischen Kriterien die Psychopaten. Das ist aber gar nicht überraschend, da brauche ich gar keine Forschung zu.

  • Die Psychopaten sind die, die moralfrei sind.
  • Psychopaten sind in ihrem Verhalten kaum restringiert, sie haben keine moralischen Hemmnisse.
  • Sie gehen ihren Weg.
    Das Problem sind also nicht die Psychopaten. … Die Frage ist: Wie kann man eine Gesellschaft so organisieren, dass nicht ihre Kerninstitutionen totalitär sind. Unsere Gesellschaft ist so organisiert, dass die wichtigsten Strukturen … – Militär, Wirtschaft, was immer – totalitär organisiert sind. In diesen totalitären Strukturen kommen natürlich ganz besondere Charaktere in besonderer Weise nach oben.«
Rainer Mausfeld – Warum schweigen die Lämmer?

Schau in den Spiegel

Die Psychopaten machen, was sie am Besten können. Sie lächeln, während andere über die Klinge springen. Sie beteuern, während andere ihnen die Schuhe putzen. Sie verdienen, während andere sich um die Moral sorgen. Wie leicht das fällt, liegt an uns. Der Egoist in uns Moralisten behält gerne das Hintertürchen offen, auch mal dabei zu sein, im Club der Reichen und Schönen. Da ist es in Ordnung, dass Bill Gates jetzt einer Milliarden-Charity-Stiftung vorsteht. Ganz egal wie viel Microsoft Mitarbeiter dafür ihren gesunden Geist auf Spiel setzten und teilweise sogar verloren. Das ist kein Vorwurf an Bill Gates, vielmehr ist es die Enttäuschung über die, in die hunderttausende gehenden, Mitarbeiter, die den Mist mitmachen. Computer können wir auch ohne Bill Gates und Steve Jobs bauen.

Es ist so offensichtlich

Ich nahm an einem BarCamp teil. In einer Session redeten die Teilnehmer, zumeist kleine Projektfirmen oder Freelancer, über ihre Fähigkeit zur Agilität. Wie groß sie Menschlichkeit in ihren Teams schreiben. Welche Erfolge hin zu Empathie und Demokratisierung sie in den vergangenen Jahren erreichten. Unter diesem gegenseitigen Schulterklopfen trat das Wehleid zutage: »Wie wenig davon bei unseren Kunden zu erkennen sei [vornehmlich Großfirmen – Anm. d. Autors]. Man leidet fast körperlich mit den dort gegängelten Angestellten.« Betroffen verließen wir den Raum, nachdem ich in die Runde fragte: »Wenn es so grausam ist, warum stützt ihr diese Organisationen durch eure Arbeit, anstatt Euer Können dafür einzusetzen, sie hin zur Demokratie zu verändern?«
Es ist einfach, den Psychopaten Skrupellosigkeit und fehlende Moral in ihrem Handeln vorzuwerfen. Die Frage allerdings ist doch: »Machen wir Moralisten unser Möglichstes, um sie davon abzuhalten?«

Wir wollen denken!
Gebhard

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